Bildmeditationen I


Worte besitzen Kraft, wenn sie Inhalt haben. Fotos und Bilder transportieren Stimmungen und Gefühle. Worte und Bilder miteinander verbunden, können somit zum Blick nach Innen einladen. Das will ich mit dieser Seite tun: Sie einladen zum Innehalten und zum Auftanken...


 

 

Sternstunden

 

Ich wünsche dir Sternstunden,

Momente, in denen dir etwas klar wird und einleuchtet,

funkelnde Sterne am Firmament deines Lebens,

die das Dunkel durchdringen.

 

Ich wünsche dir Sternstunden,

Augenblicke, die lange und gut nachklingen,

erfüllt von der Wärme und dem Licht wirklicher Begegnungen,

die dich stark und mutig machen.

 

Ich wünsche dir Sternstunden,

Zeiten, in denen du zu dir selbst und zur Welt kommst,

überraschend wie ein Geschenk und ein guter Gedanke,

der dich weiterbringt.

 

Ich wünsche dir Sternstunden,

Erfahrungen, die so hoch und so weit wie der Himmel sind,

unendlich wie ein geglückter Augenblick,

in dem dir Leben gelingt.

 

Ich wünsche dir Sternstunden,

in denen alles stimmt

und die ganze Welt zusammenklingt

wie ein Lied.

 

CLAUDIA PETERS


 

Auf der Suche

 

Ein junger Mann beschloss eines Tages, sich auf den Weg zu machen, um nach dem Paradies zu suchen. Er eilte durch viele Länder und war verzweifelt, dass er nirgends auch nur die kleinste Andeutung, nirgends den kleinsten Schimmer vom so sehnsüchtig gesuchten Paradies sehen konnte. Er wollte schon fast aufgeben ...

 

..., da traf er einen BLINDEN. Diesen Blinden fragte er: "Weißt du, wo ich das Paradies finden kann?" Der Blinde erwiderte: "Geh und suche Farben. Halte nach ihnen Ausschau. FARBEN sind das Paradies!"

 

Der junge Mann wusste nicht viel damit anzufangen. Es war ihm zu wenig, nur nach Farben zu suchen. Er ging weiter und traf einen TAUBEN, welcher ihm erklärte, er könne das Paradies nur dann finden, wenn er Töne und Melodien fände - und diese MELODIEN seien das Paradies. 

 

Der junge Mann ging weiter und traf zu guter Letzt einen STUMMEN. Nachdem er auch diesen gefragt hatte, wo er denn hingehen müsse, um das Paradies zu finden, schrieb der Stumme auf Papier: "Singe und juble! WORTE und LIEDER sind das Paradies!"

 

Der junge Mann ging weiter und weiter, er wurde älter und älter. Manchmal leuchtete etwas von dem auf, was er für ein Paradies hielt; dann war wieder alles verschwunden. Es gab, wenn er so zurückdachte, einige Höhepunkte, wo dieses Paradies einfach da zu sein schien. Wenn sich alles wieder in den Alltag verwandelte, konnte er ein wenig von dem zehren, was er als Paradies erlebt hatte. 

 

So ging er seinen Weg weiter und weiter und weiter. Und wenn er jetzt als älterer Mensch zurückdachte, wurde ihm bewusst, dass das eigentliche Paradies im Suchen bestand: Er hatte noch immer ein großes Ziel vor sich, etwas, das er noch erreichen wollte, und diese Spannung hielt ihn wach und lebendig. Und wenn er sich zur Ruhe setzen wird, weiß er noch immer etwas, auf das er mit der ganzen Kraft seiner Seele hofft: Den zu sehen, der ihn in seinen Händen hält. 

 

Er macht sich nur eine Sorge, ob er zufrieden sein wird, wenn er einmal nichts mehr zu suchen hat. Die Neugierde, wie das sein wird, macht die Sache immer noch spannend: Ein interessantes und spannendes Leben, mit all seinem Auf und Ab, ist das Paradies.

 

(aus: Burkhard Ellegast, Der Weg des Raben, Salzburg, S. 67-68.)


Heilgebet

 

Ein neuer Tag beginnt

und ich möchte Dir, Gott, danken, dass ich aus eigener Kraft aufstehen kann.

 

Dieses alles ist nicht selbstverständlich,

sondern ein täglich dankenswertes Geschenk.

 

Ich höre, fühle und rieche,

diese Eigenschaften sind Schätze,

die einem erst dann richtig bewusst werden,

wenn sie fehlen.

 

Hab auch Dank dafür,

dass meine Glieder mir gehorchen.

Erhalte mir meine Gesundheit,

wende Krankheit und Leid von mir ab.

 

Durchströme mich

mit deinem lebendigen Geist

und lasse diesen durch mich

nach außen strahlen.

 

Lebenskraft und Lebensfreude

nehme ich von Dir in mich auf,

und diese will ich weitergeben an die,

die auf Hilfe und Zuspruch angewiesen sind.

 

 

Stärke meinen Körper und meine Seele,

damit ich gesund durchs Leben gehen kann.

Amen.

 

(Unbekannter Verfasser)


Sonntagsblatt, Nr. 19/10. Mai 2020, S. 32, Text © Karl Schmidt; Foto: softlight69 / 123rf.com
Sonntagsblatt, Nr. 19/10. Mai 2020, S. 32, Text © Karl Schmidt; Foto: softlight69 / 123rf.com

Du, Maria, Du ansprechbare Frau in der Anfrage Gottes,

du überlegende Frau

in deiner Entscheidung,

du mutige Frau

in den Zumutungen Gottes,

du beharrliche Frau in dem,

was dein Auftrag,

du hoffende Frau

im Dunkel des Leidens,

du gelassene Frau

in Bedrängnis und Flucht,

du glaubende Frau,

dass Gott sein Wort hält,

du aufmerksame Frau

im Blick auf die anderen,

du erfinderische Frau,

wo Hilfe gefordert,

du vermittelnde Frau,

dass es Wein gibt der Freude,

du mitgehende Frau

auf dem Weg deines Sohnes,

 

du ausharrende Frau in Schmerzen und Trauer,

du staunende Frau, als Jesus erstanden,

du offene Frau für das Wirken deines Gottes,

du jubelnde Frau trotz aller Bedrängnis,

du gotterfüllte Frau in der Gemeinschaft der Christen.

 

(aus: https://www.pfarre-nepomuk.at/nepweb/gebet_liturgie/liturgie/gottesdienste/ma_maria_eine_von_uns.pdf )


Maria, eine von uns,

nicht hoch erhoben,

sondern eine von uns.

Vielleicht bist du eine junge Frau, die, ungewollt schwanger,

sich durchringt zum Ja

und ihre Pläne ändert

im Blick auf das Kind.

Vielleicht bist du eine berufstätige Frau,

die ihre Fähigkeiten einbringt

und sich um ein gutes Miteinander bemüht.

Vielleicht bist du eine

allein stehende Frau,

die offen ist für andere

und ihr Leben mit Optimismus und Ausdauer meistert.

Vielleicht bist du eine Frau, die viel Schweres durchgestanden hat

und dennoch an Gott und den Menschen nicht verzweifelt.

 

Vielleicht bist du eine Hausfrau, die nicht sagt „nur“,

und die in der Erziehung der Kinder ihre Berufung erkennt.

Vielleicht bist du eine kirchliche Angestellte, die einen fröhlichen,

lebensbejahenden Glauben vermittelt

und Kopf und Herz miteinander verbindet.

Vielleicht bist du eine Ordensfrau, die neue Wege sucht

trotz Unverständnis und Kritik.

Vielleicht bist du eine ältere Frau, die loslassen kann

und manchmal auch andere ermutigt.

Vielleicht bist du eine geschiedene Frau,

die das Leben sucht für sich und die Kinder,

die das Erbarmen Gottes annimmt und umsetzt.

Vielleicht bist du eine Frau auch außerhalb der Kirche,

die aber wach bleibt für den Anspruch des Gewissens

und die Frage nach Gott.

Vielleicht bist du nicht nur vorn in der Kirche, gemalt und geschnitzt,

sondern ein lebendiger Mensch und hast einen ausländischen Namen.

(aus: https://www.pfarre-nepomuk.at/nepweb/gebet_liturgie/liturgie/gottesdienste/ma_maria_eine_von_uns.pdf )


Sonntagsblatt - Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 28.04.2020, S. 40; Foto: Michal Bednarek / 123rf.com
Sonntagsblatt - Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 28.04.2020, S. 40; Foto: Michal Bednarek / 123rf.com

Text © Eckhard Herrmann, Du gibst Geborgenheit, Claudius Verlag München; Foto: rolfgwackenberg / 123rf.com
Text © Eckhard Herrmann, Du gibst Geborgenheit, Claudius Verlag München; Foto: rolfgwackenberg / 123rf.com




Möge etwas in Dir

ins Fließen kommen

(Christa Spilling-Nöker)

 

Manchmal stauen sich Angst und Sorge, Hilflosigkeit und Wut zu einem Wall der Verzweiflung oder der Trauer in dir an.

 

Dann wünsche ich Dir befreiende Erfahrungen, die deine mühsam errichteten Schutzdämme unterspülen, damit in Dir wieder etwas zum Fließen kommt und Deine Energien mit neuer Kraft strömen. 

 













Ganz anders (nach Jörg Zink)
Ganz anders (nach Jörg Zink)