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Gesammeltes

„CHRISTUS IN DIESER KIRCHE SEHEN“:

HIRTENWORT VON BISCHOF

GREGOR MARIA HANKE / Eichstätt

 

Bischof Gregor Maria Hanke ruft die Gläubigen im Bistum Eichstätt dazu auf, sich angesichts einer Kirche, die „durch verschiedene Krisen und Skandale verbeult“ erscheint, nicht entmutigen zu lassen.

 

Sein Hirtenwort zum Beginn der Adventszeit wurde am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Christkönigsfest (25. November) in den Kirchen der Diözese verlesen.

 

Durch menschliches Versagen und Sünde stehe die Kirche entzaubert da und ihre Armseligkeit sei für alle sichtbar. Ein Blick auf das Leben Jesu zeige jedoch, dass Kirche sein nicht zwangsläufig Ansehen und Erfolg bedeutet. „Dabei kommt es auf das richtige Sehen an: Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird deutlich, dass es nicht auf diejenigen ankommt, die fixiert auf den Tempel zueilen, aber blind für den Nächsten sind.“ Das gesamte pastorale Wirken, aber auch das Miteinander in Ehe und Familie sowie in der Pfarrgemeinde erhalte durch diese „neue Sehkraft“ eine tiefere Bedeutung.

 

Der Blick auf das Weihnachtsfest, auf das sich die Kirche in der Adventszeit vorbereitet, unterstreiche diese Sicht: Gott wir als hilfloses und ohnmächtiges Kind in der Armseligkeit des Stalls von Bethlehem Mensch.

 

Oft seien es kleine und unscheinbare Dinge, in denen Gottes Gegenwart im Alltag zu sehen ist. „Das Wesentliche kann sich oft im Kleinen ereignen, vielleicht in einer Begegnung, im Gespräch, in einem guten und offenen Wort, in einem Zeichen, auch in einer Zumutung oder im Gebet.“ Die Erfahrung der Gegenwart Gottes im Kleinen und Unscheinbaren gibt nach den Worten des Eichstätter Bischofs „Grund zur Freude.“

 

Obwohl sich Priester und Laien mit großem persönlichen Einsatz in den Pfarreien, Gremien und Verbänden engagieren, müssten sie den Rückgang der kirchlichen Praxis erleben. Stellvertretend für alle, die sich täglich auf vielfältige Weise ehren- und hauptamtlich in der Pastoral und den caritativen und pädagogischen Einrichtungen engagieren, ermuntert Bischof Gregor Maria Hanke die Kirchenverwaltungen, die in der letzten Woche gewählt wurden: „Ihr Einsatz ist nicht umsonst!“

 

Das Hirtenwort ist unter www.bistum-eichstaett.de/bischof/wortlaut im Wortlaut oder durch Anklicken des gesamten Textes hier verfügbar.


"Lasst's uns Pfarrer ned allein!"

 

Ingolstadt (DK - online erschienen im Donau Kurier vom 22.11. - durch Anklicken des Textes kommen Sie auf die Orignalseite) Er ist neben Kardinal Reinhard Marx der bekannteste katholische Geistliche Bayerns: Rainer Maria Schießler, 58 Jahre alt, seit 1993 Pfarrer an St. Maximilian in seiner Heimstadt München, Autor von Büchern wie "Jessas, Maria und Josef", bekannt aus dem Fernsehen und in einer Mission unermüdlich unterwegs. Schießler kämpft für eine offenere, moderne katholische Kirche ohne Furcht. "Gott zwingt nicht, er begeistert", lautet der Titel des Vortrags, mit dem er am Mittwochabend in der vollbesetzten Piuskirche begeisterte.

 

Es weihnachtet schon ziemlich in St. Pius. Liturgisch noch nicht so, aber die Fülle der Menschen in dem genau 60 Jahre alten Kuppelbau erreicht bereits Heilig-Abend-Niveau; es ist alles voll. Der Gast aus München lässt sich diese Vorlage nicht entgehen, schließlich sind es eher leere Kirchen, die den katholischen Pfarrer bei seinem leidenschaftlichen Wirken antreiben. Rainer Maria Schießler will seinen Teil dazu beitragen, das zu ändern. Einen bescheidenen Teil. "Denn ich bin ja kein Prophet und ich möchte auch gar keiner sein." Er ruft dazu auf, das "wunderbare Zusammenspiel aller Kräfte in den Kirchengemeinden zu stärken", mit mehr Eigenverantwortung für die Laien. Das bedeutet: auch mal ohne Pfarrer. Dafür mit Frauen als Konzelebrantinnen. "Denn jeder ist Gemeinde!" 

 

So lautet Schießlers Credo. Er variiert es in seinem zweistündigen Vortrag vielfach. Humorvoll, tiefsinnig, appellativ, nachdenklich - und sehr, sehr bayerisch. 

"Wie schaut's aus?", ruft der Pfarrer den über 500 Menschen in der Kirche zu. "Mein Zug geht um Viertel nach zehn. Wenn jemand einen Kelch holt, können wir die Christmette gleich heute erledigen!" Wissendes Gelächter in St. Pius. Schießler baut gütig eine Brücke. Es sei schon in Ordnung, wenn einer nur an Weihnachten in die Kirche gehe. Besser als nie. "Wenn wir es nicht mehr schaffen, an Weihnachten den Tempel vollzubringen, können wir gleich zusperren." 

 

Der Pfarrer von St. Maximilian in München (tief im Glockenbachviertel) wechselt stets aufs Neue die Tonlagen. Wie ein Organist. Von heiter ("Schießler, der Adonis, isst im Fitnessstudio Leberkassemmeln") zu emotional, etwa wenn er von den Kindern mit geistiger Behinderung erzählt, denen er die Liebe Gottes näherbringt, so gut er kann. Von sentimental (mehrmals erinnert er an seine hochverehrten Eltern, "die im Krieg wirklich alles verloren haben, aber nie resigniert haben") zu progressiv-provokant: "Ich segne seit 30 Jahren homosexuelle Paare."

 

Und immer wieder: leere Kirchen. Priestermangel. Schießler kommt auf seinen Vortragsreisen viel herum. "Wir werden Kirchen schließen müssen. Es ist in einigen Gemeinden ein Elend!" Aber was tun? "Wir können jetzt in Lethargie verfallen und einen Schuldigen suchen - am besten gleich den lieben Gott, denn der kann nicht widersprechen."

Doch genau davon will er weg: raus aus der geistigen Welt der Angst, der Schuld, der Pflichten, des Zwangs und der Dogmen. Er möchte dazu beitragen, einen Begriff von Gott zu überwinden, der Furcht einflößt. Er strebt eine katholische Kirche an, deren Mitglieder gemeinsam den Auftrag "Diese Welt zum Himmel machen" erfüllen. Eine Kirche, "die uns zuerst zuhört". Mit Geistlichen, "die keine theologischen Vorlesungen halten, sondern die verstehen, was das Leben betrifft. Denn darum geht es hier: Ums Leben. Und ums Sterben. Und um die Hoffnung." 

 

Er findet Worte für von Leid geprüfte Gläubige, die an Gott zweifeln. "Vielleicht liegt er neben dir und leidet mit dir. Der Herrgott ist kein Fallensteller. Er hat keinen Spaß daran, wenn es anderen schlecht geht." 

Schießler bittet um eine Abkehr vom "Zweckdenken" Es sei in uns drin. "Aber es bringt nix!" Er sei gefragt worden, ob beten helfe, damit die Münchner Löwen (des Pfarrers persönliches Heiligtum) nicht noch weiter absteigen. Antwort: "Na, des bringt a nix! Aber es hilft, um genug Trost zu bekommen, wenn's uns doch erwischt." Pause. Dann wie ein Pass aus der Tiefe: "Hört's nur gut zu, ihr Ingolstädter, mit eurem FCI!" Der kommt an.

 

Der Redner landet noch mehr solcher Treffer. Große Heiterkeit in St. Pius. Und schlagartig wieder Ernst. Der Priestermangel in der katholischen Kirche "ist kein Naturgesetz". Vielmehr habe sie "jahrelang bei der zeitgemäßen Ausbildung der Geistlichen geschludert", sei den Fragen und alltäglichen Sorgen der Gegenwart zu weit entrückt. Aber auch hier warnt Schießler vor "verzwecktem Denken". Man könne nicht "den Zölibat nur deswegen aufheben, weil man hofft, dass dann mehr Leute in die Kirche gehen". Das ergebe keinen Sinn. 

Anderes seiner Ansicht nach schon: "Wir müssen weg von der alten Priesterkirche. Damit werden wir nicht weiterkommen." Er sieht die Zukunft in eigenverantwortlich handelnden und so den Auftrag Christi erfüllenden Gemeinden. "Bitte lasst's uns Pfarrer ned allein! Denn wir können ned alles allein machen."

 

Manchmal, wenn Rainer Maria Schießler derart mit seiner geliebten Kirche hadert, donnert er fast wie ein leibhaftiger Lutherischer. Ist aber nicht schlimm. Er kann es später ja beichten.