Darum spiele ich doch nur mit


Eine Schulklasse probt die Herbergssuche. Beim Üben fängt ein Bub zu weinen an. Der Lehrer fragt ihn: „Warum weinst du?“. Die Antwort: „Ich möchte so gern mitspielen, und zwar einen Herbergswirt.“ Der Lehrer entgegnet: „Wir haben zwar schon drei Wirte, dann spiel du halt einen vierten.“

Die Aufführung beginnt. Maria und Josef wandern von Tür zu Tür. Jedes Mal werden sie schroff und lautstark abgewiesen. Zaghaft kommen sie zur vierten Tür. Sie klopfen. Da reißt der Bub die Tür auf und schreit ihnen entgegen: „So kommt doch endlich rein, deswegen spiele ich doch nur mit.“

 

Der Satz dieses Jungen hat es mir angetan: „Darum spiele ich doch nur mit!“ Er kannte die Geschichte von der Herbergssuche. Er wusste, dass es Aufgabe der Herbergswirte war, Maria und Josef abzuweisen. Aber wie sollte das Spiel denn weitergehen. Wie sollten die Fremden aus Nazareth denn in der Fremde eine Herberge finden, wenn alle die Türe zuknallten. Wenigstens einer musste doch das Spiel durchbrechen. Darum wollte er unbedingt mitspielen, sich einmischen, das vertraute Spiel durcheinanderbringen. Es musste doch jemanden geben, der die Tür aufhält, einen einladenden Menschen, einen, der sich einfühlt in die, die um Aufnahme bitten müssen, weil sie kein Dach über dem Kopf haben.

 

Jemand muss das Spiel doch durchbrechen. In Budapest saßen sie in der Gluthitze vor dem Hauptbahnhof. Sie waren nicht willkommen. Was sie durchlebten, ging an die Grenzen der Menschlichkeit, wenn nicht darüber hinaus. Dieses Spiel musste jemand durchbrechen – „für die Menschen und zu ihrem Heil“. Und „jemand“ hat dieses Spiel durchbrochen: „Kommt herein, dafür spiele ich doch mit!“ Das sind Momente, in denen das Herz regieren muss, der Kopf kann später nachziehen.

 

Wie dankbar bin ich für diese „jemand“, die Grenzen öffnete, statt Stacheldrahtzäune zu ziehen, die zumindest Zeltunterkünfte anbot, anstatt Flüchtlingsunterkünfte in Brand zu stecken. Dieses Einmischen hat mich stolz gemacht, zu diesem Land zu gehören. Da machte jemand ernst mit dem „C“ im Programm: „Darum spiele ich doch nur mit!“

Mit solchen Mitspielern kann es Weihnachten werden in der Welt. Im Herbräerbrief lese ich: „Sei gastfreundlich zu Fremden, mancher hat dadurch, ohne es zu ahnen schon Engel beherbergt“ – vielleicht sogar Gott selbst, der im Fremden an meine Tür klopft. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“

 

(P. Heribert Arens OFM)